(... von Autor K.Goeb)
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Fuldamobil S 7 (Website anklicken!)Meine Restauration
Nach der komplett Restauration meiner BMW Jsetta und des BMW 700ter Cabrios, wollte ich eine neue Oldtimer- Aufgabe, die mich auch fordert und vor allem sollte die Karosserie aus Kunststoff sein, wie ich mit dieser Materie als Modellbauer am besten umgehen kann. Völlig unbedarft begann ich zu suchen und las in dem Buch „Deutsche Kleinwagen" (und bei denen bleibe ich auch) von H.P. Rosellen auf den Seiten 25 bis 75 von einem „Evergreen aus Hessen". Hier wird die Fuldamobilgeschichte lebhaft beschrieben und las von einem Fuldamobil Typ S7 mit Kunststoff- Karosserie auf Stahlrohrrahmen. Das wäre was für mich, dachte ich und verfolgte intensiv lokale Zeitungsinserate sowie jede Annonce in Oldtimer- Markt und Praxis, in der Rubrik: Kleinwagen. Einige Monate später, im Dezember `95 tauchte dann tatsächlich ein Angebot in der Münchner TZ auf: verkaufe Fuldamobil S7 usw. Aus dem Telefonat wurde eine Besichtigung, der Wagen hatte hinten Doppelräder, wie ich es wollte und es war ein typisches Restaurationsobjekt, nur der Preis war katastrophal!! Daraus wurde nach einer Probefahrt von 30 Meter im Januar `96 ein Kauf. Natürlich habe ich meine Frau vorher eingeweiht, dennoch machte sie große Augen wegen der skurrilen Form des Mobiles, sie meinte: Vorne wie Porsche hinten wie Wespe, über Geschmack läßt es sich bekanntlich nicht streiten. Das Auto war ein Reimport aus Finnland, wo das Fahrzeug über 40 Jahre gelaufen, gestanden ist. Der Verkäufer ist übrigens auch Finne, der in Deutschland als Koch arbeitet, weiter Infos über das Fuldamobil konnte ich ihm nicht entlocken. Später erfuhr ich, daß die Szene in Finnland in Aufruhr war, da „jemand" so viele Kleinwagen nach Deutschland verscherbelte, so einer war das also !!
Meine Oldtimerfreunde machten auch ungläubige Augen, hielten mich für verrückt und belächelten diese Schrottmühle, als ich sie damit überraschte. Noch in den Wintermonaten brachte ich unseren gemeinsam gemieteten „Oldtimerstall" auf sage und schreibe 15 Grad Zimmertemperatur und machte mich an das Zerlegen des S7. Alles war verbastelt, verdreckt und improvisiert zusammen geflickt und ich macht von jedem Zerlegungsstep in paar Fotos zur Doku. Am Unterboden wurde sogar der Straßendreck (siehe Foto) überlackiert und aus den Rohren des Fahrgestelles kam der Sand der letzten 40 Jahre heraus.
Es sah alles wesentlich schlimmer aus als ich
vermutet habe, aber es gibt immer eine Lösung, denke ich immer!! Parallel zu dieser Zerlegungsaktion startete ich, um mehr von der Fuldamobilszene zu erfahren einen Aufruf in der Oldtimerzeitung „Praxis" mit der Bitte um Fuldamobil- Infos. Außerdem verschickte ich an bekannte Oldtimerfreunde und Museen in ganz Deutschland Anfragen zu diesem Vehikel. So trafen in den nächsten Monaten jede Menge wertvoller Infos bei mir ein und dadurch habe ich auch erfahren, daß es einen „Freundeskreis Fuldamobil", geleitet durch Hr. Honold aus Haundorf, gibt, bei dem ich mich unverzüglich angemeldet habe. Weiter wertvolle Kontakte zur Restauration meines S7 sind dadurch mit Hr. Grimmer, Hr. Mangold und natürlich Hr. Krotil entstanden. Er ist der Fuldamobil „Know How" Träger schlechthin und half mir mit Rat und Tat Die Fuldamobilgeschichte kennt er wie seine Westentasche außerdem ist sein Fuldamobilregister beispiellos.Zeitgleich schnitt ich das Dach (bei uns im Sommer ist es doch mal sehr heiß) auf und verpaßte der Karosserie ein Klappdach, das als Sonderausstattung (ähnlich Jsetta) damals erhältlich war. Das Einbaumuster hierfür hat mir dankenswerter Weise Hr. Grimmer aus Heidelberg, bei einem Besuch bei Ihm, zum Nachbau mitgegeben. Das Material: Eschenholz für die Querspannte, ein Blechformteil und zwei Haltewinkel als bewegliches Teil, fertigte ich nach. Wie auf einigen damaligen Prospekten ersichtlich wollte ich unbedingt ein Frontziergitter, „Hirschgeweih" genannt, anbauen, das jedoch keine Funktion hatte, aber dennoch gut aussieht. An einigen Goggo`s war das auch angebracht. Ich lief mir bei diversen Oldtimermärkten incl. Mannheim und Ulm die Hacken wund, es gab nichts zu finden.
Urmodell für „Hirschgeweih"

Und so fertigte ich ein Urmodell und ein Kunststoffwerkzeug mit Ober- und Unterteil an, um diesen ovalen Zierring zu laminieren. Die Bauteile wurden mit Gewindebolzen versehen, gegenseitig mit Gittergeflecht (vom Baumarkt)an die Karosserie angepaßt und von einem Spezialisten Kunststoff-verchromt.
Da ich das Mobil unbedingt in Zwei-Farbenlackierung haben wollte (Puristen mögen mir verzeihen) benützte ich ein altes Foto von einem NOBEL schwarz/weis und skalierte die Farbtrennung auf 1:1 hoch und zeichnete die Trennlinien auf die Karosserie. An diese Farbtrennlinien bog ich alle erforderlichen Zierleisten, die ich mir beim Messerschmitt- Club bestellt habe und paßte sie sorgfältig an.
Zur Besfestigung bohrte ich all 80mm Löcher für die Gewindebolzen. So wurden alle Anbauteile außen vor der
Lackierung an die Karosserie angepaßt und die Karosse an den Rohrrahmen.Im Dez.97` brachte ich dieselbe zu einem Lackierer, nach vorher ausgehandeltem Preis, Dauer ca. 4 Wochen, wie er sagte. Realität : Kosten das doppelte, es war sooooo viel Arbeit und Zeit 3 Monate, sind den alle Lackierer so ?? An Arbeit fehlte es mir nicht, den der Motor wurde Anfang 98 von Ernst geliefert und so konnte ich jetzt mit der „schönen" Arbeit, dem Aufrüsten beginnen, indem ich den Motor in das ber. fertige Fahrgestell hängte. Man bedenke, daß der F&S Motor mit Auspuff und Motoraufhängung, Kettenkasten, Antriebsgehäuse Stoßdämpfer und 2 Räder eine Einbau-Einheit bilden. Zuvor wurde die Vorderachse mit Räder und Stoßdämpfer komplett montiert. So wurde das ges. Fahrgestell mit Tank, Schutzblechen, Seilzügen usw. für die „Hochzeit" fertiggestellt und vorbereitet.

Jetzt wurde es spannend, denn Ende März konnte ich die fertige Karosserie, dank eines alten Postwagens von meinem Freund Uli, vom Lackierer abholen.
Ich trommelte die halbe Nachbarschaft von unserem Stall zusammen und gemeinsam fummelten wir die Kunststoffkarosserie über Motor und Fahrgestell, ein wichtiger Meilenstein war geschafft. Jetzt kamen die „allerschönsten" Arbeiten.

Im Verlauf des Jahres 1996 restaurierte ich alles was aus Metall war, vom Stahlrohrrahmen zu den Federn, vom Fußhebelwerk zu den Türschlössern, Vorderachsaufnahmen und Lenkung, Felgen, Kettenkasten, Antriebsgehäuse aus Alu, Tank und viele andere Kleinteile.

Alles was sehr schlecht war beschaffte ich neu z. B. Blinker, Zierleisten, Scheibenwischer, Radkappen, Rückleuchten, Scheinwerferringe, Dichtungen, Federn, usw. teilweise über den Fuldamobilfreundeskreis, dem Messerschmitt Club oder dem Jsetta Club, dank der damals schon mitgedachten Gleichteile Philosophie. Die Rundumverglasung besorgte ich in München bei Fa. Freudenberg. Die Heckscheibe habe ich stundenlang poliert und wiederverwendet. Ansonsten wurden alle brauchbaren Teile wieder aufgearbeitet.
Den Motor gab ich einem Spezialisten bei uns in der Nähe, zum Löwe Ernst, „der" Mann für F&S Motoren. Er fragte mich nach dem Termin und ich sagte, im Frühjahr 1998, wobei er den Anker (sehr rar ) selbst beschaffen mußte, weil er hinüber war!
Das Jahr 1996 verging und ich widmete mich ab 1997 der Kunststoffkarosserie ( Polyester ) zuerst mit den abschleifen des alten grünen Lackes, zum Vorschein kamen 5 verschiedene Farbschichten. Im Innenraum habe ich den alten Himmelstoff und den im hinteren Raum aufgeklebten zerbröselten Schaumstoff herausgerissen und begonnen den Boden innen zu spachteln sowie wochenlang zu schleifen, den es waren noch die alten Luftlöcher des Polyestermaterials erhalten geblieben.
Nachdem ich das Polyester Material bei Fa. Voss Chemie besorgt habe: Gewebematten in GFK und CFK mit Laminierharz und Polyester Abschlussharz sowie Härter, Pinseln, Spachteln, Waage usw. ging es ans eingemachte. Die Karosse war unten herum eingerissen. Jetzt wurde laminiert und geschliffen und das aus Zeitmangel monatelang. Mein Stallkollege Peter fluchte jedesmal wenn er mich besuchte, weil dieser feine Glasfaserstaub sich überall in den Regalen in unseren Jsetta Teilen, trotz Abdeckung, festsetze. Ich arbeitete natürlich mit staubpartikelfestem Mundschutz und meinen Arbeitsanzug schloß ich mit einem Halstuch fest ab.
Es nützte nichts, dieser feine geschliffene Glasfaserstaub setzte sich bis zur Haut an meinem Körper fest und ich rief schon vom Stall aus ( 25km ) meine Frau an sie soll doch bitte das Badewasser einlassen und das auch noch im Hochsommer. Ich behob so jeden Karosserie Schwachpunkt innen und außen, setzt die Türen ein und korrigierte die Fugen und die untere Schwellerpartie, die um 8mm eingefallen war und machte das Mobil lackier bereit so gut ich konnte. Das waren für mich die schlimmsten Monate bei der Fuldamobil Restaurierung.
Alle fertigen Anbauteile habe ich nun an der Karosserie befestigt. Bei der Montage der vorgeformten Zierleisten mit den T- Gewindebolzen half mir meine Frau maßgeblich, denn man braucht hier wirklich vier Hände, um die frische Lackierung nicht gleich wieder zu verkratzen. Und so Teil für Teil aufgerüstet und an seine Stelle gesetzt. Von den Scheinwerfern bis zu den Heckleuchten sowie im Innenraum vom Kabelbaum über die Lenkung und den Instrumenten bis hin zur Motorabdeckung. Der nächste Termin lag schon knapp vor mir, die Sattlerarbeiten. Also wieder Postauto von Uli geliehen und ab ging es zum Sattler nach Aichach, der folgendes wieder herrichtete: Himmel beziehen, hinteren Raum mit Teppich auslegen, Klappdach bespannen, vordere/hintere Sitzbank- u. Rückenlehnen neu beziehen. Er brauchte drei Wochen Zeit, Qualität und Preis waren einwandfrei.
Jetzt flugs das Mobil vom Sattler geholt und die letzten Montagearbeiten an Samstagen und Sonntagen durchgeführt. Beim Scheibeneinbau mit dem Zierfüller half mir mein Freund Gustav, das war eine Schufterei. Es war inzwischen schon Juni `98, meine Frau wollte noch in den Urlaub fahren und ich hatte bereits den TÜV Termin für den 09.07.1998 vereinbart.

Der Urlaub wurde etwas verkürzt und ich machte die letzten Optimierungsarbeiten: Bremsen und Licht einstellen, Schaltstange vibrierte am Auspuff, Vorderräder streiften beim Lenkeinschlag an den Seilzügen, Tank schlug von innen an Karosserie (Bruchgefahr), Türdichtgummi einkleben, leider nie den richtigen gefunden.
Selbst erzeugte Kratzer wieder beseitigt und die letzten Verschönerungsarbeiten erledigt usw. usw.
Heute am 09.Juli 1998 ist TÜV Termin. Nach genauer Inspektion und einigen gefahrenen Runden im Hof zum Zwecke der Bremsprüfung verbunden mit meinem Herzklopfen bekam ich die begehrte Neuzulassungsplakette- ohne Mängel.
Abnahme beim TÜV

Meine vor vielen Monaten reservierte Wunschnummer ( die Typbezeichnung als Nummer war leider belegt ) BJ 57 für Baujahr 1957 als Saisonkennzeichen konnte ich endlich gegen die Vorabkennzeichen tauschen. Ich war mit meinem Fuldamobil happy, weil der TÜV Prüfer für hinten auch das kleine Nummernschild genehmigte.
Alle Ausgaben für das Fuldamobil habe ich in einer Excel Tabelle im PC dokumentiert, wohlgemerkt schreibgeschützt, daß meine Frau nicht reinschauen kann !!

Die erste Ausfahrt ging bei strahlendem Sonnenschein Richtung Augsburg und endete schließlich in einem wirklich gigantischem Platzregen, das Wasser drang überall herein (auch vom Klappdach tropfte es) und setzte den Innenraum 3 cm „Land unter". Nach dem Trockenlegen, auf der Heimfahrt, brach auch noch die Auspuffverlängerung, vermutlich durch die Motorvibrationen und blieb im Straßengraben liegen. Ich werde wohl noch einiges an Optimierungsarbeiten an meinem Fuldamobil S 7 leisten müssen. An dieser Stelle möchte ich mich nochmals bei allen bedanken, die mir in irgendeiner Weise geholfen und mich unterstützt haben. Und kann nur jedem raten sich dem „Freundeskreis Fuldamobil" anzuschließen.

Der Autor mit seinem Fuldamobil S7